Friedensgeschichte von Hildegard Eikel

Wo der "Weltfrieden" seinen Anfang hat

 

  "Mama", fragt Lukas als er aus der Schule kommt, "weisst du, was Weltfrieden ist?"

  "Na klar" sagt Mama, "Weltfrieden ist Frieden in der Welt", und schneidet weiter ihre Möhren in  

  Streifen. "Weltfrieden ist ein grosses Wort", fährt sie fort, "aber derzeit sind wir weit davon entfernt.

  Die Menschen träumen vom Frieden, vom Frieden auf Erden, aber ob dieser Traum je Wirklichkeit

  wird? Schön wär's". Mama seufzt.

 

  Lukas erzählt: " Frau Lerch hat dieses Wort "Weltfrieden" heute Moren an die Tafel geschrieben,

  genau in die Mitte, und wir wussten gar nicht, was wir damit anfangen sollten. Sie hat nichts weiter

  dazu gesagt."

 

  "Ja und dann"? fragt Mama.

 

  "Ja, und dann hat sie gefragt, was uns zu diesem Wort einfällt. Und dann hat Udo gesagt:"Das ist

   der Frieden in der Welt. So wie du eben."

 

  "Und?" hat Frau Lerch gefragt, "herrscht Frieden in dieser Welt"?

 

  "Nein", haben wir gesagt, "tut es nicht.

 

  "Und", hat Frau Lerch gefragt, "können wir was tun, damit sich das ändert"?

  " Wir? Nee", hat die Lena gesagt, "Wir doch nicht. Wir sind doch Kinder. Die Grossen haben doch

  das Sagen. Die wissen doch immer, wo's lang geht."

 

  "Und dann habe ich gesagt, ich glabe doch, dass wir was tun können zum Beispiel sich vertragen

  statt zu streiten".

 

  "Dann komm mal nach vorn", hat Frau Lerch gesagt, "und schreib"sich vertragen" an die Tafel und

  zieh mit bunter Kreide einen Kreis darum herum. Dann steht das Wort "Weltfrieden" nicht mehr so

  allein da."

 

  Und sofort fiel den anderen Kindern aber auch was dazu ein, z.B. "miteinander teilen",

  "freundlich sein", "nicht klauen", "die Wahrheit sagen", helfen", "sich entschuldigen",

  "beten", und ganz viel mehr. Und am Ende war die Tafel voll von bunten Wörtern und Kreisen und

  Frau Lerch hat einen grossen Regenbogen darüber gemalt von einem Ende der Tafel bis zum

  anderen,  und dann hat sie gesagt: " Wenn jeder von euch sich am Morgen etwas Gutes vornimmt

  für den Tag  z.B.: "Heute will ich zu allen Menschen freundlich sein", dann würde sich die 

  Freundlichkeit hier in der Klasse, auf dem Schulhof, in euren Familien, in unserer Stadt, in diesem   

  Land und auf der Welt ausbeiten wie der Wind. Freundlichkeit ist ansteckend. Ein Lächeln wirkt wie

  Sonnenschein an einem trüben Tag.

 

  Jeder einzelne Mensch, der in seinem Herzen Frieden hat, tut Gutes für die Welt und die

  Mitmenschen. Und ihr wisst jetzt wie das anfängt mit dem Frieden in der Welt, bei uns selbst, im

  eigenen Herzen.

 

  Nehmt nun eure Zeichenblöcke und Malstifte heraus, schaut euch dieses wunderbare Gebilde an

  der Tafel an und malt ein Bild vom Frieden, Friedensbilder. Hört auf euer Herz und malt das, was

  euch in den Sinn kommt.

 

  "Und dann war es mucksmäuschenstill in der Klasse, du hättest eine Stecknadel fallen hören

  können. So still", sagt Lukas beeindruckt.

 

  "Und, was habt ihr gemalt?", fragt Mama nach einer kleinen Pause?

 

  "Na", sagt Lukas, "jeder was anderes. Einer hat einfach ein grosses Herz mit vielen kleinen Herzen

  darum herum gemalt, die Lena, wo eine Mutter ihr Kind in die Arme nimmt, der Udo freundliche

  Gesichter am Esstisch usw. Aber alle haben obendrüber einen Regenbogen gemalt."

 

  "Der Regenbogen ist ein Symbol für den Frieden in der Welt", hat Frau Lerch gesagt. "Und die

  Bilder sind wunderschön geworden" hat sie gesagt, "Friedensbilder, Bilder von einer besseren Welt."

  Und dann hat sie uns gelobt und hat gesagt:"Ich bin sehr stolz auf euch. Dies ist euer Beitrag am

  heutigen Tag für den Frieden in der Welt."

 

 "Und", hat Mama leise gefragt "was hast du gemalt"?

 

  Und nach einer Pause hat Lukas leise geantwortet: "Dich und Papa und mich. Wir halten einander

  an den Händen. Wir lächeln. Wir sind wieder glücklich."

 

  Und Mama hat geweint, ihr Schälmesser aus der Hand gelegt und hat Lukas in den Arm genommen.

  "Das ist ein schönes Bild", hat sie gesagt. "Diesen Wunsch legen wir jetzt in Gottes Hände und bitten

  die Engel um Hilfe. Und das tun wir, wir beiden, jetzt."

 

   Hildegard Eikel